| Franz Bittner

Von der Pandemie zur Dauertherapie.

Die Zahl der Neuinfektionen durch Corona geht endlich deutlich zurück. Und die Zahl der Impfungen steigt deutlich an. Eigentlich gute Nachrichten für die österreichische Bevölkerung. Wäre da nicht noch Long Covid.

 

Was ist Long Covid?

Die Weltgesundheitsorganisation und viele Mediziner haben mittlerweile mögliche Spätfolgen, über die PatientInnen nach einer akuten COVID-19 Infektion noch Wochen später berichten, anerkannt. Eine akute COVID-19 Infektion dauert in der Regel bis zu vier Wochen. 

Dauern diese Beschwerden mehr als 4 Wochen, dann spricht man von Long COVID. Bei rund 10 – 20% dieser PatientInnen entstehen in weiterer Folge Symptome bzw. bleiben diese auch über diesen Zeitraum hinaus bestehen. Long COVID kann jeden treffen, auch PatientInnen mit milderen Verläufen.

640.000 laborbestätigte Infektionen gab es bisher in Österreich. Wenn bei 10 – 20% davon Long Covid auftritt, müssen wir 100.000 PatientInnen betreuen. Das wird eine neue, zusätzliche massive Belastung für unser Gesundheitssystem. Ein weiteres Problem bei Long Covid ist, dass es noch keine 100 Prozent treffsicheren Medikamente gibt. Und es fehlen auch spezialisierte Einrichtungen zur Behandlung dieser Patienten.

 

Wie wird Long Covid behandelt?

Atembeschwerden, Herzrasen, Erschöpfung – diese Symptome sind typisch für eine Long-Covid-Erkrankung, auch nach mehr als drei Monate nach der Infektion. Ralf-Harun Zwick, Facharzt für Innere Medizin und Lungenkrankheiten, leitet die ambulante internistische Rehabilitation in der Therme Wien Med. Er stellt, auch bei jungen PatientInnen, Veränderungen im Nervensystem, an der Lunge, am Herzen, im Bereich des Darmes und an der Haut fest. Bei vielen Betroffenen ist die Regulation des Kreislaufs beeinträchtigt, sie fühlen sich schwindlig und schwach.

Bei der Rehabilitation von Long Covid PatientInnenen ist es wichtig, dass die Betroffenen nur moderat trainieren und nicht über ihre Grenze hinausgehen. In der Fachsprache nennt man das „Pacing“, vereinfacht gesagt: aufs Tempo achten. Das heißt für einen jungen Menschen, der gewohnt ist, normalerweise 100% zu leisten, liegt die Schwelle nun bei etwa 30 bis 40%.

Überanstrengung kann bei Long-Covid- PatientInnen zu einer Verstärkung der Symptome bewirken und sogar zu einer chronischen Erschöpfung führen.

Long Covid Rehabilitation

Anlaufstelle für mögliche Long-Covid Betroffene ist der niedergelassene Bereich. Die ÄrztInnen, ob niedergelassen oder im Spital, sind sensibilisiert, bei entsprechenden Symptomen auch eine Corona-Infektion, die möglicherweise sogar unentdeckt ablief, in Betracht zu ziehen.

Viele Forderungen werden nun im Gesundheitssystem zur Rehabilitation von Long-Covid Betroffenen laut. Die Länder fordern nun eine Abdeckung der Covid-Rehabilitationskosten. Und von PatientInnenseite werden Forderungen nach eigenen Covid-Rehabilitationszentren laut.

Der Vorsitzende des Dachverbandes, Peter Lehner, stellte klar, dass kein Long Covid-Patient unbehandelt zurückgelassen wird. Da es aber nicht die eine Erkrankung, sondern unterschiedliche Krankheitsbilder bei Long-Covid gebe, müsse es auch spezielle Rehabilitationsprogramme geben. Denn manche PatientInnen haben Probleme mit der Lunge, andere benötigen aber eine kardiologische, eine neurologische oder eine psychologische Behandlung >> öffnet in einem eigenen Fenster.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass alle Betroffenen rasch einen Platz in der Rehabilitation bekommen. Dafür müssen entsprechende Mittel bereitgestellt werden. Gerade chronisch Kranke sind in unserem Gesundheitssystem immer noch benachteiligt. Was zur besseren Betreuung notwendig ist, habe ich hier zusammengefasst.

Informationen und Selbsthilfegruppen.

Maarte Preller, eine junge Frau, war 2020 nach der ersten Welle selbst betroffen. Danach gründete sie eine Selbsthilfegruppe für Long-Covid Betroffene. Die Informationen finden sie hier >> öffnet in einem eigenen Fenster. Weiters gibt es die Long-Covid Patienteninitiative, die sich an Betroffene und Fachpersonal richtet.

Wichtig wird es sein, Long-Covid auch bei Kindern und Jugendlichen richtig zu diagnostizieren und zu behandeln. Denn gerade bei ihnen kann eine Corona-Infektion auch unentdeckt ablaufen. Familien sind besonders bei chronisch kranken Kindern gefordert. Ich unterstütze ähnliche Initiativen und habe zu diesem Thema hier geschrieben.

 

Mein Appell: Die Pandemie hat uns unvorbereitet getroffen und beinahe 1,5 Jahre später ist die Impfkampagne am Höhepunkt. Denken wir jetzt daran, wie wir die Long-Covid Betroffenen rasch und erfolgreich therapieren. Denn zusätzliche 100.000 PatientInnen im Gesundheitssystem sind erneut eine ungeplante und nur schwer zu bewältigende Belastung.

Es ist wichtig, dass Corona-PatientInnen rasch wieder fit werden, sie haben es schwer genug. Mehr lesen sie hier.

Ihr Franz Bittner