| Franz Bittner

Unsere Kinder werden immer dicker.

Diese Zahlen sind wirklich erschreckend. 30% aller Buben und 22% der Mädchen zwischen sechs und neun Jahren in Österreich sind bereits übergewichtig oder adipös. Unglaublicherweise gibt es nur eine einzige aktuelle und gleichzeitig seriöse Zahl zu der Anzahl der Übergewichtigen bzw. krankhaft Fettleibigen (adipösen) Kinder in Österreich.  Sie stammt von der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Und die Zahl der Fettleibigkeit bei Kindern in den kommenden fünf Jahren wird sich drastisch erhöhen. Laut dem österreichischen Akademischen Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) wird sie sich wahrscheinlich sogar verdoppeln. Die Gründe dafür sind sowohl ungesunde Ernährung als auch mangelnde Bewegung.

Was sind die Folgen von Übergewicht bei Kindern?

„Das Massenphänomen krankhaftes Übergewicht ist eine gesundheitliche, gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Zeitbombe“, sagt Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer.

Laut einer aktuellen Studie zufolge werden in OECD-Ländern – und da gehören alle europäischen Länder inklusive Österreich dazu – in den kommenden 30 Jahren mehr als 90 Millionen Menschen an Krankheiten sterben, die auf Adipositas zurückzuführen sind. Aufgrund des Übergewichts wird sich die Lebenserwartung um drei Jahre reduzieren. In Österreich sind 20% der Erwachsenen adipös, in 34 der 36 OECD-Länder ist bereits mehr als jeder Zweite übergewichtig und fast jeder Vierte krankhaft übergewichtig.

77% der Krankheitslast und 86% der vorzeitigen Sterblichkeit wird in Europa durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und Atemwegserkrankungen verursacht. Die Gründe dafür sind in fast allen Fällen ein Übermaß von kalorienreicher Nahrung, gesättigten Fetten, Transfettsäuren, Zucker und Salz. Dafür wird viel zu wenig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte gegessen.

Fettleibigkeit wird ausgelöst durch Erbanlage (genetische Disposition), Ernährung, Lebensweise und mangelnde körperliche Bewegung. Auch können seelische Faktoren wie Stress, Einsamkeit, Depression und Frustration mit Essen als Belohnung ein Auslöser sein. Hinzu kommen auch Krankheiten wie etwa Schilddrüsen-Unterfunktion, das Cushing-Syndrom oder Gehirntumore.

Aber Achtung: Genetische Disposition alleine macht noch nicht fettleibig. Meist ist es ein Zusammenspiel, sowohl von den oben genannten Auslösern als auch Lebensgewohnheiten, das letztlich zu Übergewicht führt.

Was kann man gegen Fettleibigkeit unternehmen?

Da gibt es nur eine einzige, richtige Antwort und die lautet Prävention. Hier kommt ein Bündel an Maßnahmen zur Anwendung, das sich an viele Gruppen richtet. Zum einen soll Werbung für ungesunde Lebensmittel reduziert und mehr Bewegung in Schule und Alltag gefördert werden. Es braucht auch Anreize für einen gesünderen Lebenswandel, das kann zum Beispiel ein Bonus-Malus-System bei der Krankenversicherung, sowie die aktive Einbindung von Eltern betroffener Kinder sein. Denn viele Eltern versuchen die Verantwortung an Ärzte, Schulen und soziale Einrichtungen abzuschieben. Aber so funktioniert das nicht. Eltern müssen mitmachen und ganz aktiv und bewusst den Alltag ihrer Kinder umstellen, mit ihren Kindern gemeinsamen Aktivitäten unternehmen und selbst einen Beitrag leisten.

Und das fängt bereits im Babyalter an. Kleinkinder sollen sich mindestens drei Stunden täglich bewegen, um Übergewicht vorzubeugen, so empfiehlt es die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch sollten Kleinkinder höchstens eine Stunde im Kinderwagen oder auf Stühlen sitzen und möglichst wenig Zeit vor Bildschirmen verbringen. Für unter Zweijährige gilt, dass sie gar keine Zeit vor Fernsehgeräten, Tablets oder PC verbringen sollen.

Wo kann man Unterstützung für übergewichtige Jugendliche bekommen?

Adipositas Austria hat eine gute Übersicht der Therapieangebote (öffnet sich in einem neuen Fenster) zusammengestellt.

Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) bietet zwei Programme an, “Enorm in Form” für stark übergewichtige Kinder zwischen 10 und 14 Jahren und neu auch für Kinder von 6 bis 9 Jahren (“Enorm in Form JUNIOR“).

Der Verein starke Freunde bietet 2 Programme an – starkes Jahr mit Ernährung, Sport und Psychologie, das einmal pro Woche Freude an gesundem Essen und aktiver Bewegung sowie ein positives Selbstwertgefühl vermitteln will. Und das Programm starker Urlaub für die Ferienzeit.

Im Anschluss habe ich noch eine Liste jener Wiener Krankenhäuser zusammengestellt, die eine Spezialambulanz für Adipositas haben (eine telefonische Voranmeldung ist sehr empfehlenswert).

Mein Rat an sie: Jedes Kind mit Übergewicht oder gar Adipositas ist eines zu viel. Übergewichtige Kinder und ihre Eltern brauchen unsere Unterstützung, kein Ermahnen oder gar Spott. Die Gesundheit ist kostbar und die Folgen in 20 – 30 Jahren werden furchtbar sein, darum müssen wir heute – und nicht erst morgen – aktiv werden.

AKH Wien
Univ.-Klinik für Innere Medizin III
Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Tel.: 01 40 400 43460

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
Ambulanz für Adipositas, Fettstoffwechselstörungen und Ernährungsmedizin
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Tel.: 01 40400 – 32290

Krankenanstalt Rudolfstiftung
Juchgasse 25
1030 Wien
Tel.: 01 711 65 0

Gesundheitszentrum Wien-Mitte (WGKK)
Ambulanz für Adipositas- und Fettstoffwechselstörungen
1030 Wien, Strohgasse 28
Tel:  0043 1 601 22 40379

Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern
Stumpergasse 13
1060 Wien
Tel.: 01 599 88 0

Kaiser-Franz-Josef-Spital
Kundratstraße 3
1100 WieN
Tel.: 01/601 91

Krankenhaus Hietzing
Wolkersbergerstraße 1
1130 Wien
Tel.: 01 801 10 0

St. Josef Krankenhaus Wien
Auhofstraße 189
1130 Wien
Tel.: 01 87844-0

Hanusch-Krankenhaus
Heinrich-Collin-Straße 30
1140 Wien
Tel: 01 910 21

Wilhelminenspital
Montleartstraße 37
1160 Wien

Donauspital im SMZ-Ost
Langobardenstraße 122
1220 Wien
Tel.: 01 288 02