| Franz Bittner

So leiden unsere Kinder unter dem Lockdown.

Der Lockdown und die vielen Einschränkungen sind notwendig, um die Coronapandemie einigermaßen im Griff zu behalten. Unser aller Alltag hat sich dadurch aber sehr verändert und für viele Menschen wird das zu einem immer größer werdenden Problem. Besonders für Kinder und Jugendliche hat sich das Leben drastisch verändert. Und genau sie sind es, die aktuell am meisten darunter leiden.

 

Wie leiden Kinder und Jugendliche?

Eine deutsche Studie kommt zu dem Schluss, dass sich rund 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Coronakrise seelisch belastet fühlen. Ihr Risiko für eine psychische Auffälligkeit stieg hierbei von 18 auf 31 Prozent >>Link öffnet in eigenem Fenster

Seit Jahresbeginn nehmen die Fälle von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen in Wien enorm zu. Viele Jugendliche erleben deutlich depressive Episoden. Sie sagen, dass sie unter großer Erschöpfung, großer Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Stimmungsverschlechterung leiden. Manche von ihnen haben sogar Suizidgedanken, einige wenige haben auch Suizidversuche durchgeführt. Das ist eine furchtbare Situation.

Es sind oft gesunde Kinder ohne Vorbelastungen aus liebevollen Familien, die jetzt unter schweren Störungen leiden, sagte Paul Plener, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien im ORF-Radio. >> Beitrag öffnet in eigenem Fenster

Auch haben Kinder und Jugendliche schon während des ersten Lockdowns begonnen ihr Gewicht zu reduzieren, aus Sorge, dass sie zu dick werden. Sogar ganz junge Kinder, zwischen acht und zwölf Jahren sind betroffen, und zeigen deutlich depressive Symptomatiken, sagte Paul Plener „was wir in dieser Stärke noch nicht beobachtet haben.“

 

Wie kann man diese hohen Zahlen erklären?

Für Kinder können selbst harmlose Ereignisse oft viel bedrohlicher wirken als für die Erwachsenen. Kinder fürchten sich zum Beispiel vor Gewittern. Die Reaktion von Erwachsenen auf die Krise, ist sehr wichtig für Kinder, denn wir sind Vorbild und stellen eine Orientierungshilfe dar.

Die Coronapandemie setzt die Psyche der Menschen unter Dauerbelastung und verschärft psychische Probleme. Seit Beginn der Pandemie untersuchte die Donau-Universität Krems wiederholt die psychische Gesundheit der Österreicher. Bereits die erste Studie im April zeigte einen Anstieg der psychischen Symptome für Depression, Ängste und Schlafprobleme auf das Drei- bis Fünffache der Werte vor der Pandemie. Folgeuntersuchungen im Juni und im September bestätigten, das die Belastung weiterhin gleichbleibend hoch ist.>> Link öffnet in eigenem Fenster

Kinder leiden oft im Stillen, daher merkt man ihre Probleme leider oft nicht oder sehr spät. Auffällig ist, dass sich die Kinder und Jugendlichen zurückziehen, verschlossener werden und aggressiver sind. Wenn sie in Folge aus dem Gleichgewicht geraten, entstehen auch Symptome, die durchaus krankheitswertig sind.

Auch auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien kommen wesentlich mehr Patienten und ihre Zustandsbilder sind deutlich akuter und schwerer ausgeprägt. Die Situation ist aktuell so schlimm, dass weniger akute Fälle bereits nachgereiht, das heißt länger auf eine Behandlung warten müssen.

 

Wie kann man den Kindern und Jugendlichen helfen?

Eltern haben durch die Coronapandemie oft selbst sehr viele Sorgen und Belastungen. Kindern und Jugendlichen helfen Strukturen und regelmäßige Tagesabläufe. Dazu gehört besonders das Rausgehen zumindest einmal am Tag. Die Bewegung und Sonneneinstrahlung, gerade im Winter, tun uns allen gut. Auch das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten ist im Lockdown wichtig, besser digital als gar nicht.

Und es ist sehr wichtig mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Seien sie neugierig, interessieren sie sich für deren Situation und Gefühlswelt. Probieren sie es mit vorsichtigem Nachfragen und sprechen sie über schwierige Dinge, auch solche die in der Familie schwierig sind. Kinder haben ein gutes Gespür und können leichter damit umgehen, wenn mit ihnen gesprochen wird, sie einbezogen und beteiligt werden.

Wenn sie allerdings bemerken, dass sie den Kontakt zum Kind verlieren und Situationen entstehen, die sie nur schwer einordnen und verstehen können, empfehle ich ihnen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Werden sie aktiv bevor oder spätestens wenn wirklich akute Gefährdungsmomente auftreten. Besser sie werden einmal mehr aktiv als einmal zu wenig. Hier finden sie eine Liste der Sozialinfo>> Link öffnet in eigenem Fenster Wien zum Thema psychotherapeutische Angebote für Kinder und Jugendliche.

Mein Rat an Sie: Eltern kennen ihre Kinder und können daher oft intuitiv sehr viel ausgleichen. Reden sie mit ihren Kindern und seien sie für sie da, auch wenn das erste Gespräch nicht gleich klappt. Wenn sie allerdings merken, dass sich ihr Kind immer weiter zurückzieht, dann holen sie sich Hilfe. Jeder braucht mal Hilfe im Leben und es ist keine Schande eine solche anzunehmen. Dafür wurden viele Einrichtungen in Wien geschaffen. Um sie in einer Notsituation zu unterstützen. Lassen sie sich also helfen.

Ihr Franz Bittner