| Franz Bittner

Ist mein Kind nach einem Ferialjobversichert?

Manchmal sind es die kleinen Details, auf die man ganz besonders achten muss, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Viele unserer Kinder machen im Sommer einen Ferialjob oder ein Praktikum.
Waren sie vor einem Ferialjob/Praktikum bei der WGKK selbstversichert, so müssen sie sich unbedingt nach Beendigung des Ferialjobs/Praktikums wieder bei der WGKK selbstversichern. Denn es erfolgt keine automatische Wiederaufnahme der Selbstversicherung! Das kann eine schlimme Überraschung geben.

Was sie über Mitversicherung ihrer Kinder wissen müssen.

Alle Kinder sind bis zum 18. Geburtstag bei ihren Eltern mitversichert. Wenn vom Finanzamt ein weiterer Anspruch auf Familienbeihilfe nach dem 18. Geburtstag zuerkannt wurde, dann wird die Mitversicherung von der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) automatisch verlängert. Dazu muss zuvor ein Antrag an das Finanzamt gestellt werden.
Hat ihr Kind die Matura im Juni nicht bestanden und es muss zu einer Wiederholungsprüfung im Herbst antreten, wird bei Anspruch auf Familienbeihilfe die Mitversicherung bis zum 30.11. des Kalenderjahres automatisch verlängert.
Dasselbe gilt für die Zeit zwischen Schulabschluss und Antritt zum Präsenzdienst: Ist der junge Mann bei der WGKK gemeldet und wird für ihn Familienbeihilfe bezogen, wird die Mitversicherung automatisch bis zum 30.11. des Kalenderjahres verlängert.
Erfolgt eine Einberufung erst nach dem 30.11. kann der Jugendliche bei den Eltern bis zu weiteren 24 Monate mitversichert werden (auf Grund von Erwerbslosigkeit). Dazu ist allerdings ein Antrag bei der WGKK nötig.
Auch nach Ende des Präsenzdienstes können Jugendliche bis zum Beginn des Studiums auf Antrag bei den Eltern mitversichert werden.

Wie der Versicherungsschutz während und nach dem Ferialjob/Praktika geregelt wird

Sogenannte Ferialarbeitnehmer sind wie herkömmliche Arbeitnehmer beschäftigt. Für Ferialarbeitsverhältnisse gelten dieselben arbeitsrechtlichen gesetzlichen und kollektivvertraglichen Vorschriften wie für normale Arbeitsverhältnisse.

Daher unterliegen Ferialarbeitnehmer der Pflichtversicherung nach dem ASVG und sind beim zuständigen Krankenversicherungsträger anzumelden. Übersteigen die Bezüge von Ferialarbeitnehmern die sogenannte Geringfügigkeitsgrenze (Stand 2017: 425,70 Euro im Monat), sind sie nach dem ASVG vollversichert, verdienen sie weniger als die Geringfügigkeitsgrenze beträgt, sind sie nur unfallversichert.

Auch Praktikanten sind in jedem Fall beim zuständigen Krankenversicherungsträger zur Sozialversicherung zu melden. Hier gilt es folgende Fälle zu unterscheiden:

Handelt es sich um ein Arbeitsverhältnis, hat eine Anmeldung als Arbeitnehmer zur Sozialversicherung zu erfolgen. Bei einem Verdienst über der Geringfügigkeitsgrenze ist man vollversichert; bei einem Verdienst unter der Geringfügigkeitsgrenze ist man nur unfallversichert.

Praktikanten mit Hochschulausbildung, die für die zukünftige Berufsausübung gesetzlich vorgeschriebene Praktika absolvieren (z.B.: Rechts- oder Unterrichtspraktikanten), sind immer nach dem ASVG vollversichert, auch wenn sie unter der Geringfügigkeitsgrenze verdienen.

Um die An-und Abmeldung zur Sozialversicherung muss sich jeweils der Dienstgeber kümmern. Hier kommt nun das wichtige Detail: der Beginn der Pflichtversicherung führt grundsätzlich zur Beendigung der Mitversicherung. Das Wiederaufleben der zuvor bestandenen Mitversicherung nach Beendigung der Ferialtätigkeit ist aber an eine entsprechende Meldung des Versicherten bzw. Anspruchsberechtigten gebunden! Es erfolgt nicht automatisch, sie müssen das selbst machen.

Mein Rat: Vermeiden sie unliebsame Überraschungen beim Arztbesuch – im guten Glauben, anspruchsberechtigt zu sein. Melden sie Beginn- und Enddaten einer Ferialtätigkeit oder eines Praktikums möglichst rasch – ein formloses Schreiben, Fax oder E-Mail an Ihre zuständige Landes- oder Außenstelle genügt. Mehr Informationen finden sie hier und hier.

Ihr Franz Bittner