| Franz Bittner

Impfen statt vieler Worte

Impfungen sind der einzige Ausweg aus der Corona-Pandemie. Und darum muss sich die Bundesregierung vorrangig kümmern, ohne Showeffekte auf EU-Ebene. Die Geduld der Bevölkerung ist bereits auf das Äußerste strapaziert. Und je länger es dauert – die Pandemie und die Impfungen – umso weniger halten sich die Menschen an die Regeln.

Den mangelnden Einsatz der Bundesregierung kritisiert auch Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte „Die Bundesregierung muss sich dringend ernsthaft um die kurzfristige Beschaffung von zusätzlichen Impfdosen kümmern“.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat zuletzt betont, das Testen massiv auszubauen. „Testen ist ein Versuch, die Unfähigkeit bei der Impfstoffbeschaffung zu kaschieren“, sagt Mayer: „Nicht ‚testen, testen, testen‘, sondern ‚kaufen, kaufen, kaufen‘ und im Anschluss sofort ‚impfen‘, ‚impfen‘, ‚impfen“ sollte das Credo sein.“ Es scheitere ja laut Mayer nicht an der Impfwilligkeit der Bevölkerung, im Gegenteil: Der Großteil möchte sich impfen lassen, scheitert aber daran, dass es immer noch zu wenig Impfdosen gibt.

 

Nur Impfen wird die Pandemie beenden.

Impfen ist unsere einzige Möglichkeit, die drohende – und teilweise schon stattfindende – Überlastung der Spitäler zu verhindern. Aktuell steigen die Zahlen und dies Großteils bei den Patienten in Spitalsbehandlung, vor allem auf den Intensivstationen.

Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie muss noch immer unser Gesundheitssystem geschützt werden. Da ist viel zu wenig passiert. „Das ist grob fahrlässig, denn die Situation ist für alle psychisch und physisch belastend. Impfen schützt nicht nur die Spitäler und das Gesundheitssystem, sondern ebenso die Wirtschaft und ermöglicht es, das soziale Leben und die Grundfreiheiten wieder zu erlangen“, sagt Mayer.

Koste es was es wolle, muss vor allem für das Gesundheitssystem und die Menschen gelten, nicht nur für die Wirtschaft. Die Tatenlosigkeit der Bundesregierung spricht Bände, wenn das Gesundheitsministerium bei der EU-weiten Bestellung die verfügbaren Impfstoffkontingente nicht ausgeschöpft hat. Es stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, ob das Gesundheitsministerium als solches überhaupt in der Lage ist, die Corona-Krise professionell zu managen. Für 2020 und 2021 seien laut Finanzressort zusammen 278 Millionen Euro verfügbar, davon habe das Gesundheitsressort aber erst knapp 53 Millionen Euro abgeholt. Zu vieles ist hier bereits schiefgegangen. Jetzt muss rasch professionell und verantwortungsvoll gehandelt werden.

 

Die Menschen brauchen Zuversicht und Termine.

Die langsame Durchimpfung gehe nun zulasten der Jüngeren und der mitten im Berufsleben stehenden Gruppen. Die aktuellen Infektionszahlen zeigen, dass das Alter der Erkrankten auf den Intensivstationen deutlich gesunken ist: „Letztendlich muss die junge, kritische Infrastruktur schnellsmöglich geimpft werden“, betont Mayer. Klatschen würde hier nicht helfen, stattdessen müssten beispielsweise Supermarktangestellte und Briefträger rasch immunisiert werden.

Viele Menschen wollen geimpft werden, haben aber keine Ahnung, wann die Impfung in diesem Jahr erfolgen wird. So geht es nicht.

„Warten und hoffen war noch niemals ein guter Weg aus einer Krise – hier geht es um ein aktives Gegensteuern durch die Immunisierung der Bevölkerung“, ergänzt Daniel von Langen, stellvertretender Kurienobmann der angestellten Ärzte. Es fehle zudem die Perspektive, wie es nach einer Impfung weitergeht: „Eine Gleichsetzung komplett Geimpfter mit negativ Getesteten ist überfällig“, sagt er. Impfungen müssten dazu führen, dass die Freiheiten zurückerlangt werden. Zuletzt hatte Dänemark beispielsweise verkündet, die Beschränkungen des öffentlichen Lebens mit wenigen Ausnahmen komplett aufzuheben, sobald alle Risikogruppen und alle Menschen über 50, die dies wünschen, ihre erste Impfung gegen SARS-CoV-2 erhalten haben.

 

Mein Appell: Die Bundesregierung muss den Fokus auf der raschen Durchimpfung der Bevölkerung haben. Andere Maßnahmen, wie die Ausweitung der Testkapazitäten, sind zwar hilfreich, ersetzen aber die nicht die notwendige Lösung. „Durchwurschteln auf gut Österreichisch“ ist nicht akzeptabel, die Sicherheit und Gesundheit der Menschen ist unverhandelbar.

Ihr Franz Bittner