| Franz Bittner

Impfdilemma – Schulimpfungen dürfen nicht länger ausfallen!

Es geht heute wieder einmal um das Impfen und die Gesundheit unserer Kinder. Ich spreche hier aber nicht über Corona. Es geht um die ganz normalen Schulimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung. Es ist kaum zu glauben, aber die üblichen Impfungen bei Schulärzten sind seit Beginn der Coronavirus-Pandemie fast komplett weggefallen. Gerade für Kinder ist die Gefahr groß, dass durch fehlende Impfungen zurückgedrängte Krankheiten wieder verstärkt ausbrechen könnten.

 

Warum die Schulimpfungen ausfallen.

Rudolf Schmitzberger von der Ärztekammer (ÖÄK) sagte dazu in einer Pressekonferenz des Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH), dass es durch Schulschließungen „großflächige Ausfälle von Schulimpfungen von nahezu 100 Prozent“ gab. „Es ist kaum eine schulärztliche Tätigkeit und schon gar nicht eine Impftätigkeit festzustellen gewesen in der Pandemie“, so Schmitzberger.

„Doch auch schon vor der Corona-Pandemie war die Impf-Situation in den Schulen in den einzelnen Bundesländern divers“, berichtet Mag. Sigrid Haslinger, Vizepräsidentin des ÖVIH. „Jedes Bundesland organisiert die Schul-Impfungen ein wenig anders: In manchen Bundesländern impfen AmtsärztInnen in den Pflichtschulen, in anderen SchulärztInnen oder delegierte ImpfärztInnen, in einigen Schulen findet aufgrund vielschichtiger Herausforderungen gar keine Impfung statt.“ „Die Pandemie hat die Situation in den Schulen natürlich verschärft. Durch die Schulschließungen oder den Schichtbetrieb war es teilweise gar nicht möglich, Impfungen an den Schulen zu organisieren“, fügt Haslinger hinzu. Dass zeigen auch die Zahlen: von den bereitgestellten HPV-Dosen sind nur 45 %, von den Hepatitis-B-Dosen 40 % und von den Meningokokken-Dosen 39 % im Vergleich zu 2019 verwendet worden.

Laut österreichischem Impfplan sind viele wichtige – und kostenfreie – Impfungen im Pflichtschulalter vorgesehen. Dazu gehören die Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung, aber auch jene gegen Hepatitis B, HPV und Meningokokken ACWY. Ein Großteil der Schulimpfungen sind im letzten Schuljahr aufgrund der Schließungen wegen Corona ausgefallen oder verschoben worden. Völlig unklar ist nun, ob und wie sie nachgeholt werden sollen.

 

Warum versäumte Schulimpfungen so ein großes Risiko sind

Seit April 2020 hat es in Österreich durch die Coronavirus-Maßnahmen und das Abstand halten keine Masernfälle mehr gegeben. Gefährlich wird es, wenn die Zahl der Urlaubsreisen wieder steigt und die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden müssen. Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hatte die Pandemie bereits einen Effekt in Österreich. Weil sich viele Menschen mehr im Freien bewegt haben, gab es ein Hoch an FSME-Fällen. Denn Zecken halten sich an keine Abstandsregeln und daher ist die Schutzimpfung so wichtig.

Vor Lücken bei der HPV-Impfung warnte Elmar Joura von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der MedUni Wien/AKH. Humane Papillomaviren (HPV) lösen insgesamt sechs verschiedene Krebsarten bei Frauen und Männern aus und die Impfung bietet einen sehr guten Schutz dagegen.

 

Es braucht einen Plan zum schnellen Nachimpfen

Die versäumten Schulimpfungen müssen schnell und gratis nachgeimpft werden. Unsere Kinder sollen endlich wieder einen sorgenfreien Sommer genießen können. Der ÖVIH hat dazu ein Factsheet zu diesem Thema online bereitgestellt, sie finden es hier >> öffnet in einem eigenen Fenster.

In der Zwischenzeit müssen Eltern gemeinsam mit dem Kinder- bzw. Hausarzt den Impfstatus überprüfen, versäumte Impfungen finden und die Nachimpfung durchführen lassen.

 

Mein Rat an Sie: Kontrollieren sie denn Impfpass ihrer Kinder, lassen sie diesen im Zweifelsfall durch einen Arzt checken. Die fehlenden Impfungen können sie beim Kinderarzt oder öffentlichen Impfstellen nachholen lassen. Die Impfstellen der Stadt Wien finden sie hier >> öffnet in einem eigenen Fenster.
Das bisschen Aufwand muss uns die Gesundheit unserer Kinder wert sein.

Ihr Franz Bittner