| Franz Bittner

Die erhobenen Zeigefinger der unverbesserlichen Besserwisser

Am 23. März konnten die beiden Patientenanwälte Bachinger und Pilz es nicht mehr verhindern, ihre Kritik am Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer. Es musste aus ihrem Herzen und Kopf raus, die patientenanwaltliche Kritik.

Was hat der Präsident aller Ärzte furchtbares getan? Er hat in einem Aufsatz, heute nennt man diese Form der Mitteilung „Blog“, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, dass Österreich zuwenig Schutzkleidung für Ärztinnen und Ärzte hat, um die Coronakrise zu bewältigen. Na mehr hat er nicht gebraucht, der Herr Präsident. Die Internet- und die Telefonleitungen der beiden Patientenanwälte liefen heiß. Die Patientinnen und Patienten ließen fragen, ob die Ordinationen noch sicher sind, wenn sie einen Arzt benötigen.

Bei so viel Anfragen wurden beide aktiv. Sie sendeten sofort ihre anwaltliche Kritik an die Medien und teilten der staunenden Bevölkerung mit, dass der Präsident und seine Doktorinnen und Doktoren längst handeln hätten müssen, gibt ihnen doch das Pandemiegesetz und das Hygienegesetz klare Vorgaben. Auf deutsch übersetzt, die Ärztekammer hätte bereits Anfang Jänner Schutzmasken, Schutzkleidung für die Ärztinnen und Ärzte ordern müssen. Weil das ja schlussendlich im Hygienegesetz steht.

Dass es eine Bundes- und neun Landesregierungen gibt, die nicht völlig frei von Verantwortung sind, wurde tunlichst nicht erwähnt. Sind doch die beiden Patientenanwälte für die Spitäler in ihren Ländern mitverantwortlich, dass es genügend Schutzkleidungen gibt. Offensichtlich haben wir in unseren Spitälern kein Problem mit zuwenige Masken und Schutzkleidungen die unsere Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal schützen sollten. Wer´s glaubt, wird selig.

Völlig vergessen dürften beide haben, dass die verunsicherte Bevölkerung diesen Streit wie einen Kropf benötigt, würde ein Steirer sagen. Zur verunsicherten Bevölkerung gehören nämlich auch die Vertragsärztinnen und Ärzte und deren Personal, die täglich ihre Patientinnen und Patienten betreuen müssen, jetzt noch mehr als vor der Krise, da sich die Spitäler selbstverständlich schützen müssen, damit wir nicht italienische Verhältnisse bekommen.

Was ist los mit euch Beiden? Ist euch die Arbeit ausgegangen? Und in eurer offensichtlichen Fades macht ihr „lustig“ weiter mit der derzeit unnötigen Anpatzerei.

Wenn ich zurückdenke an meine Zeit als Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und wie oft ich mir anhören musste, dass die WGKK zuviel Geld ausgibt, zu viele Ärzte unter Vertrag hat, ein Spital führt, das die WGKK für ihren gesetzlichen Auftrag eigentlich nicht benötigt, dass wir in Österreich zu viele Spitalsbetten haben und viele andere Anwürfe mehr. Auch diverse Patientenanwälte bliesen manchmal in dieses Horn. Heute können wir nicht genügend Intensiv- und ander Betten in unseren Spitälern haben. Wir werden mehr Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal benötigen als es gibt, wenn ein Teil unserer Helfer selbst krank sein wird und selbst Hilfe benötigt.

Wie immer diese Krise ausgeht. Es wird Heldinnen und Helden geben. Von der Ladnerin im Supermarkt, vom Erntehelfer, von der Polizei, die den Fendrich spielt, vom Busschauffeur bis zur Putzfrau. Ob die diversen Präsidenten, die Patientenanwälte – meine Person miteingeschlossen – dabei sein werden, werden wir (vielleicht) sehen. Eines ist aber gewiss, das Pflegepersonal, die Ärztinnen und Ärzte werden dabei sein, bei den Heldinnen und Helden.