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28 November 2018

Daumenregel für Antibiotika - So selten wie möglich, aber so oft wie nötig.


Ich möchte heute ihre Aufmerksamkeit auf Antibiotika lenken, denn sie zählen zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Es sind Arzneimittel, die zur Behandlung von bakteriell verursachten Infektionskrankheiten eingesetzt werden. Auch bei vielen medizinischen Verfahren, wie Transplantationen oder orthopädischer Chirurgie werden diese Medikamente benötigt.

Leichtere Erkrankungen wie zum Beispiel Erkältungen mit leichtem Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Durchfallerkrankungen oder Grippe werden in der Regel nicht mit Antibiotika behandelt.

Manche Antibiotika wirken gegen ein breites Spektrum von Bakterien (das sind die sogenannten Breitband-Antibiotika), manche nur gegen wenige spezifische Bakterienstämme. Darum ist es so wichtig, dass Ihr behandelnder Arzt das spezielle Antibiotikum auswählt. Je nach Erkrankung diagnostiziert er, bzw. durch Laborbefunde nachgewiesenen Bakterien und den Schweregrad einer Infektion. Zusätzlich wählt der Arzt die richtige Dosierung und bestimmt die Dauer der Einnahme. Dabei spielen auch Faktoren wie das Alter der Patienten, sowie die Funktion von Leber und Nieren eine wesentliche Rolle.

Ein Antibiotikum sollte man daher nur einnehmen, wenn es wirklich notwendig ist. Die einfache Regel lautet: „So selten wie möglich, aber so oft wie nötig!“ Warum ist das für sie als Patient so wichtig?

Antibiotikum wirkt nur dann gut, wenn es in der richtigen Dosis und lange genug angewandt wird. Wenn auch nur ein geringer Anteil der krankheitserregenden Bakterien überlebt, vermehren sich diese wieder und die Erkrankung kann erneut ausbrechen.

Tötet man Bakterien nicht vollständig durch ein Antibiotikum ab, dann können sich diese verändern und sogar resistent werden. Das heißt, dass das Antibiotikum gegen diese Bakterien dann nicht mehr wirkt und Sie nicht gesundwerden. Dann hilft im besten Fall nur ein anderes Antibiotikum gegen resistente Bakterien.

Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, warum das ein Problem ist, es gibt doch so viele Medikamente und Antibiotika.

Es ist so, dass auf Grund falscher und unvollständiger Einnahme Tag für Tag mehr Bakterien gegen Antibiotika resistent werden. Wir Menschen verbreiten diese zusätzlich noch. Das Problem resistenter Bakterien ist beispielsweise in Spitälern mittlerweile enorm. Für die Ärzte ist es eine immer größere Herausforderung das passende Medikament zu finden und ihre Patienten zu heilen.

Doch missbräuchliche und fehlerhafte Anwendungen tragen dazu bei, dass bakterielle Erreger gegen Antibiotika resistent werden und Patienten auf eine Behandlung nicht mehr ansprechen. Ein sorgsamer Umgang mit diesen Arzneimitteln ist daher enorm wichtig. Wenn sie mehr darüber erfahren wollen: Die Initiative Arznei & Vernunft (A&V) hat eine entsprechende Patienteninformation auf Basis aktuellster, wissenschaftlicher Erkenntnisse bereitgestellt. Hier finden Sie den Link zum Download: http://www.arzneiundvernunft.at/uploads/181107-Patienteninformation-Antiinfektiva-Onlineversion_608_DE.pdf

Meine Bitte an sie:

Helfen sie mit Antibiotikaresistenzen zu vermeiden. Das geht ganz leicht! Erstens nehmen sie Antibiotika so selten wie möglich und nur wenn ein Arzt ihnen diese verschrieben hat. Zweitens, wenn sie Antibiotika einnehmen müssen, dann halten sie sich genau an die vorgeschriebene Dosierung und Länge der Einnahme (die Packung unbedingt aufbrauchen) – ihr Arzt kann und wird ihnen hier genaue Angaben geben. Das hilft ihnen bei der nächsten Behandlung und allen Mitbürgern bei der Eindämmung sich verbreitender Bakterien. Danke.

 

Ihr Franz Bittner

 

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Das Bild zeigt Franz Bittner bei der Beratung eines Patienten.

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