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07 November 2018

Arztbesuch per Videotelefonie


Die schnelle elektronische Kommunikation per WhatsApp, Facebook Messenger & Co oder Videotelefonie ist heute bereits ein fester Bestandteil im Leben vieler Menschen. Vor allem jüngere Patienten legen zunehmend größeren Wert, auf eine schnelle und oftmals auch elektronische Kommunikation mit ihrem Arzt.

Die „Telemedizin“, wie man das nennt, ist ein Teilbereich der Telematik im Gesundheitswesen und bezeichnet Diagnostik und Therapie unter Überbrückung einer räumlichen oder auch zeitlichen Distanz zwischen Arzt und Patienten.

Durchaus sinnvolle Ziele der Telemedizin können sein:

 

  • die Verbesserung der Gesundheit der Bürger durch Bereitstellung lebenswichtiger Informationen (zum Beispiel um Distanzen zu überbrücken, rascher helfen zu können,...) unter Einsatz elektronischer Gesundheitsdienste.
  • die Verbesserung von Qualität und Zugänglichkeit der medizinischen Versorgung durch Einbeziehung elektronischer Gesundheitsdienste und durch Koordinierung der politischen, finanziellen und technischen Strategien der EU -Länder.
  • die Schaffung effizienter, benutzerfreundlicher elektronischer Gesundheitsdienste durch die Zuziehung von ergänzenden Fachleuten.

Aktuell ist eine reine Fernbehandlung rechtlich laut Ärztegesetz gar nicht möglich. Viele Ärzte betrachten – mit Recht – die persönliche „Behandlung“ (Ordination) als den Standard in der Patientenbetreuung (schließlich steckt in dem Wort „Behandlung“ ja schon das Wort „Hand“). Ohne direkten Kontakt zwischen Arzt und Patienten – vor allem bei Erstterminen – wird es also in den allermeisten Fällen nicht gehen.

Eine ausschließliche telemedizinische Versorgung und Fernbehandlung, wie sie zum Beispiel seit kurzem in Teilen Deutschlands rechtlich möglich ist, darf keinesfalls den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patienten ersetzen. Zudem ist es kein sinnvolles Rezept gegen die negativen Folgen des Ärztemangels.

In jedem Fall braucht es ordentliche Arbeitsbedingungen für eine kassenärztliche Tätigkeit. Einerseits um den Patienten eine qualitativ, hochwertige Versorgung zu sichern und andererseits auch um den Arztberuf im niedergelassenen Bereich attraktiv zu halten.

 

Vernünftig eingesetzt kann eine Online-Kommunikation einige Vorteile bringen.

Für Patienten können Anfahrts- und Wartezeiten wegfallen. Damit wird ein niederschwelliges Angebot geschaffen, das rasch Hilfestellung sichern kann. Ärzte könnten sich so verstärkt auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, z.B. während einer Grippewelle, wo der durchschnittliche Patientenkontakt oft nur wenige Minuten dauert. Gerade für Patienten in entlegenen Gebieten oder bei chronischen Erkrankungen ist diese Option der telemedizinischen Betreuung attraktiv. Zudem können Onlinevideosprechstunden aber auch bei schwierigeren Fällen die zeitnahe Einbeziehung von Spezialisten möglich machen.

Auch die Online-Überwachung chronisch kranker Patienten im Hinblick auf die Über- oder Unterschreitungen individueller Grenzwerte kann ein effizientes Einsatzgebiet und eine deutliche Entlastung des medizinischen Personals mit sich bringen.

 

Sinn und Unsinn

E-Health Lösungen wären dann sinnvoll, wenn sie zum Wohle der Patienten eingesetzt werden, wenn niedergelassene Ärzte eingebunden sind und überforderte und vergleichsweise teure Spitäler entlastet werden.

Werden E-Health-Anwendungen allerdings hauptsächlich zur Kostensenkung und Gewinnmaximierung eingesetzt, sind sie zu verneinen. Im Fokus muss bei allen Entscheidungen immer die Sicherung der Versorgungsqualität und der Patientensicherheit stehen. Digitalisierung soll und kann die reale Arzt-Patienten-Beziehung unterstützen.

Ergänzend in einem solchen System empfehle ich die Einbindung der Gesundheitsnummer 1450. Unter der Rufnummer 1450 (ohne Vorwahl aus allen Netzen) erhalten Sie bereits heute via Telefon Empfehlungen, was Sie in Notfällen, bei gesundheitlichen Fragen/ Problemen tun können. Fragen, wie: „Welche Schmerzen können selbst behandelt werden, wann soll ein Hausarzt aufgesucht werden“, „ist die Behandlung durch einen Facharzt erforderlich“ oder „ist der Weg zur Notfallambulanz sinnvoll“ werden hier gut und kompetent beantwortet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Hotline werden durch ein Expertensystem unterstützt mit dem anhand von mehr als 200 Fragebäumen gezielt schwerwiegende und zeitkritische Krankheitsbilder identifiziert bzw. ausgeschlossen werden können. So kann rasch eine Empfehlung zur Art und Dringlichkeit der weiteren Vorgehensweise gegeben werden.

In Zukunft könnten – unter bestimmten Voraussetzungen – ergänzend z.B. Übersetzungsleistungen via Bildschirm zur Verfügung gestellt werden. Solch ein System wäre auch eine Unterstützung für die niedergelassenen Ärzte bei Verständigungsschwierigkeiten mit Patienten. Auf diese Art ließen sich auch für Patienten oft komplexe Aufgaben, wie z.B. einer OP-Vorbereitung begleiten. Hier dauert oft die Befundung länger und ist für Laien nur schwer mit bereits festgelegten Operationsterminen abzugleichen.

Die Rufnummer 1450 sollte technisch so weiter ausgebaut werden, dass sie Sprachbarrieren aufzulösen hilft und noch mehr Hilfestellungen leisten kann. Die Digitalisierung wird mit Sicherheit unser Gesundheitssystem als auch das Berufsbild des Arztes weiter verändern. Diese Entwicklung kann durchaus positiv gesehen werden, wenn die technischen Lösungen einen Beitrag zur Unterstützung des Zusammenspiels zwischen Ärzten und Patienten leisten.

Franz Bittner

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Das Bild zeigt Franz Bittner bei der Beratung eines Patienten.

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